Reifengrössen

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Gehen wir mal ganz theoretisch und ohne Blick auf die Karosserie und auf den TÜV/Zulassung an das Thema Reifengrößen an.

Zunächst einmal hat der Hijet nur eine erlaubt Reifengröße: 155SR12 als “C” Leichttransporterreifen mit einem Traglastindex von mindestens 86.

155R12 ist die alte Schreibweise für 155/80 R 12 C 86/88.
Dies bedeutet also: 155mm Breite, Reifenhöhe ist 80% der 155mm Breite, 12 Zoll Felgendurchmesser, C-Klassierung (Leicht-LKW mit verstärkten Seitenwänden) und einen Traglast Index von 86 bzw. 88 ( 530 bzw. 560 kg pro Rad)

Die Lasten mit dem kleinen Laster:

Würde man nun gerne auf eine andere Felge umrüsten wollen, hat man ein paar Hürden die es zu umschiffen gilt:
1. Die insgesamte Radhöhe, oder genauer gesagt der Abrollumfang des Rades muss gleich bleiben.
2. Die Reifen und Felgenbreite sollte nicht extrem viel größer werden, da der Hijet sehr schmal ist.
3. Die neuen Reifen und Felgen müssen die Achslast von 1 Tonne (Hinterachse!), also 500 kg Traglast mindestens schaffen.

1. Der Abrollumfang

Fangen wir mit der gesamten Radhöhe an: Damit man überhaupt eine Chance hat eine Radänderung durch eine technische Prüfung zu bekommen und die Funktionen des Fahrzeugs nicht negativ zu beeinflusst werden, muss unbedingt auf die Gesamtübersetzung des Hijets geachtet werden.

Gesamtübersetzung bedeutet hierbei:
Gesamtübersetzung = [Übersetzung der Gänge des Getriebes] * [die Übersetzung der Hinterachse] * [Abrollumfang der Räder]

Damit das gewährleistet ist, muss die Reifenhöhe des Reifens bei einem größeren Felgendurchmesser entsprechend kleiner werden.

Grund für diese Regelung sind 2 Vorschriften:
1. Muss der Tacho die korrekte Geschwindigkeit anzeigen. Würde sich die Gesamtübersetzung um mehr 2% verändern (Also 2% größere oder 2% kleinere Übersetzung) muss der Tacho von einem Fachbetrieb angepasst und geprüft werden.

2. Würde sich das Abgasverhalten ändern, da das Fahrzeug bei üblichen Geschwindigkeiten mit ganz anderen Drehzahlen fahren würde. Bei einer Änderung der Gesamtübersetzung von mehr als 8% (Auch hier natürlich 8% größere oder auch 8% kleinere Übersetzung) muss ein komplett neues Abgasgutachten angefertigt werden, was mehrere tausend Euro kostet. (Damit ist keine 2-jährige Abgasuntersuchung gemeint, sondern ein Einzelgutachten für das veränderte Abgasverhalten)

Nebenbei: Punkt 2 ist auch der Grund warum man nicht einfach ein anders übersetztes Getriebe an einen Motor anbauen darf, da auch dies die Gesamtübersetzung und damit das Abgasverhalten negativ beeinflussen kann.

Beispiel für theoretische Reifengrößen:

Das Leben wäre so schön wenn es einfach jede Art von Reifenhöhe zu kaufen gäbe. Leider ist das natürlich nicht so. Daher habe ich mal ein paar theoretische Beispiele für kaufbare Reifengrößen heraus gesucht:

Originalfelge mit Originalreifen:
155/80R12 auf 4×12 Zoll Felgen = Abrollumfang 1737 mm = 100%

Theoretisch mögliche Kombinationen:
165/70R13 auf 4,5×13 oder 5×13 Felgen = Abrollumfang 1763 mm = 101,5% (Zum Original)
165/65R13 auf 4,5×13 oder 5×13 Felgen = Abrollumfang 1711 mm = 98,5% (Zum Original)
185/55R14 auf 5,5×14 oder 6×14 Felgen = Abrollumfang 1756 mm = 101,1% (Zum Original)
195/45R15 auf 6×15 oder 6,5×15 Felgen = Abrollumfang 1748 mm = 100,7% (Zum Original)
195/40R16 auf 6×16 oder 7×16 Felgen = Abrollumfang 1767 mm = 101,7% (Zum Original)

Theoretisch würden diese Kombinationen zumindest die gesetzlichen Änderungen im Bereich des Abrollumfangs noch gerade so erfüllen, aber damit ist natürlich dieses Thema nicht abgeschlossen.

Reifen und Felgenbreite

Wirklich viel Platz ist unter dem Hijet-Häuschen definitiv nicht. Selbst die originalen 155/80R12 Bereifungen sind gar nicht so weit vom äußeren Kotflügelrand entfernt. Also der findige Bastler bei anderen Felgen und Reifengrößen schon ziemlich aufpassen.

Man muss also bei diesem Thema 3 Punkte beachten:
1. Reifenbreite
2. Felgen-Einpresstiefe
3. Felgenbreite

1. Reifenbreite

Damit eine Bereifung den Segen vom TÜV bekommt, darf diese nirgends schleifen und das Profil muss unter dem Kotflügel liegen. Da die Felgenbreite und Reifenbreite ungefähr gleich sein muss, sollte man hier den Felgenhersteller kontaktieren und eine stabile Kombination erfragen.

2. Felgen-Einpresstiefe

Die Felgen-Einpresstiefe (ET) wird von der Felgenmitte bis zur Auflagefläche der Felgen gemessen. ET 0 würde bedeuten, dass die Innenfläche die man an die Radnabe verschraubt exakt in der Mitte der Felge ist. Ist die Einpresstiefe größer als 0 wird die Felge tiefer in die Karosserie “gepresst”, wodurch die Spur des Fahrzeugs insgesamt verkleinert wird.

Ist die Einpresstiefe kleiner als 0 , sprich bei negativen Werten geht die Felge weiter nach außen und die Spur würde sich verbreitern. Man kann also mit Spurverbreiterungsplatten die Einpresstiefe “kleiner” bzw. negativer machen.
Nebenbei: Die Einpresstiefe wird immer in Millimeter gemessen.

3. Felgenbreite

Die Originalfelge ist eine 4B12 (ET unbekannt, schätzungsweise ET50)
Die Cuore L501 Alufelgen von BWA sind 5Jx13 ET 45
Eine Original Move L601 Stahlfelge ist 4.00B x13 H2 ET 50

Würde man also bei Hijet auf die Cuore Leichtmetallfelgen umrüsten, würde sich eine Verbreiterung der Spur um ca. 19mm pro Seite ergeben. Damit ist man eigentlich auch schon am Maximum was man unter die Karosse bekommt.

Will man noch breitere Felgen verwenden müssen diese eigentlich weiter in die Karosserie verschwinden. Leider sind dort natürlich durch Fahrwerksfedern und Streben auch enge Grenzen gesetzt.

Will man eine 5.5 Zoll breite Felge nun unter die Karosse bekommen, müsste man schon mit ET51 arbeiten! Noch schlimmer bei 6 Zoll

5.5 Zoll = ET51
6 Zoll = ET58
7 Zoll = ET70

Wie man schon sieht: Es funktioniert nicht! Solche Felgen sind einfach nicht für Geld und gute Worte kaufbar. Hinzu dürften wohl alle drei genannten Breiten schon längst am Fahrwerk oder innen an der Karosse schleifen.

Ergo bleibt eigentlich nur die 5 Zoll breiten Felgen über.

Erstes Fazit:

Der Grund auf größere Felgen als 12 Zoll aufzurüsten ist verständlich und auch nötig, denn es gibt einfach keine Winterreifen mehr für den Hijet. Ganz davon ab waren die in den 80ern konstruierten Reifen schon lange nicht mehr mit aktuellen Winterreifen vergleichbar.

Der günstige Weg

Wer kostengünstig umrüsten will, sollte sich nach Alufelgen vom Cuore L501,L201 oder L80 (Nicht L7 oder L251!) oder Alufelgen vom Daihatsu Move L601 (Nicht L901!) umschauen.

Diese haben oft das Maß 5Jx13 ET45 , sodass diese mit 165/70R13 auch noch unter die Karosse passen und auch die Reifen noch relativ günstig und modern sind.

Leider hat diese Variante auch einen eklatanten Nachteil: Die Last von 1000 kg an der Hinterachse ist mit Felgen vom Cuore oder Move nicht mehr zu bewerkstelligen. Hier muss also vorab mit einem TÜV-Prüfer geklärt werden ob der Hijet an der Hinterachse abgelastet werden kann. Dadurch verliert der Hijet natürlich auch viel seiner Nutzbarkeit da er einfach nicht mehr viel transportieren kann.

Der teure Weg

Alufelgen lassen sich auch anfertigen. Bei HTN-Felgen oder Schmidt Wheels werden die Felgen noch vor Ort auch in Kleinserien und Einzelanfertigungen hergestellt. Kostenpunkt für einen 4er Satz Alufelgen: Zwischen 900 bis 1600 Euro.

Vorteil: Die Felgen können optimal für den Hijet angepasst werden und 13-15 Zoll Felgen sollten ohne weiteres möglich sein. Auch die Traglast von 500kg pro Rad sollte bei Einzelanfertigungen noch machbar sein.

Passende Bereifungen sind ja durch 165/70R13, 185/55R14 und 195/45R15 evtl. auch noch machbar.